Geboren in Münstereifel: Friedrich Joseph Haass

An der Ecke Johannisstr./ Wertherstr., wo früher das Geburtshaus stand, weist eine Plakette auf den Ort hin.

Dr. Friedrich Joseph Haass wurde um den 10. August 1780 als Sohn eines Apothekers in Münstereifel geboren. Er studierte in Köln und Jena, promovierte 1805 in Göttingen zum Doktor der Medizin und absolvierte anschließend in Wien eine Ausbildung zum Facharzt für Augenheilkunde. Im Alter von 26 Jahren kam er 1806 im Gefolge der russischen Fürstin Repnin nach Moskau und wurde bald einer der geachtesten Ärzte Russlands. 

 

1827 trat eine Wende in seinem Leben ein, als er Direktor der Moskauer Gefängniskrankenhäuser wurde. Haass fasste diese Ernennung als Berufung im tieferen Sinne auf. Er widmete sich fortan den Ärmsten der Armen, den Gefangenen und Gefolterten, den "Unglücklichen", die aus allen Teilen Russlands, aus dem Kaukasus, wie auch aus Polen über Moskau in die Verbannung geschickt wurden, wohin sie, in Ketten aneinander gebunden, zu Fuß über die sogenannte "Wladimirka" marschieren mussten. Haass gelang es - gegen vielfältige Widerstände - ihr Schicksal zu lindern und ihnen Trost zu spenden. Um den Gefangenen ihren Leidensweg zu erleichtern, erließ er ärztliche Vorschriften zu ihrer Betreuung, setzte die Errichtung einer Raststation am Moskauer Stadtrand durch und erwirkte mit Beharrlichkeit die Anwendung der später sogenannten "Haass'schen Fesseln", die den Angeketteten weniger Schmerzen und mehr Bewegungsfreiheit verschafften. 

 

Zudem sorgte er sich um das leibliche und seelische Wohl der "Verschickten", indem er Proviant und religiöse Schriften unter ihnen verteilte. Damit deren Kinder nicht verwahrlosten, kümmerte er sich um ihre Unterbringung. Viele Leibeigene kaufte er mit gesammelten oder gar eigenen Mitteln los.

Neben diesem persönlichen Einsatz betrieb er als Chefarzt aller Moskauer Gefängniskrankenhäuser deren Umbau, Erweiterung und Modernisierung und führte die fachlich qualifizierte Krankenpflege ein. Um auch den Obdachlosen menschliche und ärztliche Hilfe zuteil werden zu lassen, erreichte er die Zustimmung zum Bau eines Polizeikrankenhauses, in dem er zwei bescheidene Zimmer bezog und seine letzten Lebensjahre verbrachte.

 

 Eine wichtige Wirkungsstätte von Haass, das Deportationsgefängnis, befand sich auf den Sperlingsbergen, später in „Leninhügel" umbenannt, nahe der Stelle, an der sich heute die Lomonossov-Universität befindet.  Am 16. Aug. (nach dem Gregorianischen Kalender am 28. August) 1853 starb der deutsche Arzt Haass, der "Heilige Doktor von Moskau" - völlig verarmt, weil er all sein Hab und Gut für die Bedürftigen eingesetzt hatte.           

 

“Beeilt euch, Gutes zu tun“

 

 

Gestorben in Moskau: Dr. Friedrich Joseph Haass

Beim letzten Geleit zum Deutschen Friedhof in Moskau folgten dem Sarg von Fjodor Petrowitsch Gaas, wie er in Russland genannt wurde, fast 20.000 Menschen. Auf seinem Grab, das ein Gitter mit der Nachbildung der Haass'schen Ketten und Fesseln umzäunt, wurde auf einem Granitstein ein Kreuz errichtet. Bis heute legen Menschen dort Blumen nieder.  Zahlreiche Schriftsteller, z.B. Dostojewskij, Tolstoj, Tschechow und Gorkij, Solschenizyn, Kopelew und Böll haben das Gedächtnis an Haass, den "Heiligen Doktor von Moskau" und an seine Wohltaten wach gehalten. Sie erinnern an den Brückenbauer zwischen sozialen Schichten (Arm und Reich), zwischen Völkern (Deutschen und Russen) und zwischen Kirchen (Katholiken und Orthodoxen). Die Katholische Kirche hat inzwischen ein Seligsprechungsverfahren für Haass eröffnet.

Das von Haass gegründete und geleitete Krankenhaus in der Metschnikov-Gasse beherbergt heute das Institut für Kinder- und Heranwachsenden-Hygiene des Gesundheitsministeriums. Im Hof vor dem Gebäude erinnert die auf einem Granitsockel stehende Bronzebüste an den berühmten Arzt. Auch auf dem Sockel ist sein Wahlspruch "Beeilt Euch, Gutes zu tun" eingemeißelt. Dieses Denkmal wurde am 01.10.1909 enthüllt. Die Moskauer Stadtverwaltung ließ im Jahre 1982 am Zugang zu dem Denkmal eine Granitplatte anbringen mit der Aufschrift: "Das Denkmal für den berühmten Moskauer Arzt und Aufklärer wurde im Jahre 1909 nach Entwürfen von Nikolai Andrejewitsch Andrejew errichtet". Eine Kopie der Büste befindet sich im Haass-Hof Bad Münstereifel.

Neue Gedenkplatte am Taufstein in der Stiftskirche Bad Münstereifel

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